Wüstung Stubbach

Ein Artikel der Kinzigtal Nachrichten vom 14.04.2016
VON UNSERER MITARBEITERIN MARGIT STROTT-HEINRICH

Wüstung Stubbach

Wüstungen als wichtige Orte der Forschung
Vortrag beim Stammtisch des Geschichtsvereins über aufgegebene Siedlungen

Mit Wüstungen beschäftigte sich der jüngste Stammtisch des Steinauer Geschichtsvereins. Eine Wüstung, die erst kürzlich entdeckt wurde, ist Stubbach bei Ulmbach. Näheres führte Rainer Geschwindner aus.

Die Wüstung Stubbach wurde nur zufällig entdeckt. Denn einem Landwirt fielen beim Ackern eine Vielzahl an Scherben auf, die zum Vorschein kamen. Daraufhin begannen umfangreiche Untersuchungen, an denen auch Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreises mit ehrenamtlichen Helfern auf einer Fläche von rund 250 Quadratmetern unter fachlicher Betreuung des Archäologischen Spessartprojekts beteiligt waren. Bei den Grabungen wurden unter anderem unerwartet viele Scherben zutage gefödert.
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Als „Waltstupach“ erstmals 810 urkundlich erwähnt, wurde es 1289 vom Kloster Neuenberg von den Stichlingen von Gelnhausen erworben. 1415 werden Obern- und Niedern-Stuppach genannt. Rainer Geschwindner widmete sich in seinem Vortrag der Zeitspanne von 1000 bis 1600 unserer Zeitrechnung. Bekannt ist, dass während des Spätmittelalters im 14. und 15. Jahrhundert überdurchschnittlich viele Siedlungen aufgegeben wurden. Die Ursachen hierfür sind laut Geschwindner vielfältig: Kriege, Fehden, Feuersbrünste und Hochwasser können Gründe dafür sein, dass Menschen ihre Ansiedlungen verließen, aber auch Seuchen und Hungersnöte. Zudem waren sie Folge der im 13. Jahrhundert zunehmenden Stadtgründungen. Die Menschen gingen dorthin, wo es ihnen besser ging.

Die Siedlungswüstungen waren völlig aufgegebene dörfliche Siedlungen, die nicht nur ein europäisches Phänomen sind, so Geschwindner. Allerdings gab es auch Wüstungen, die aufgegeben und später wieder besiedelt wurden. Geschwindner berichtete von einer Siedlung, die über einen langen Zeitraum neun Mal „wiederbelebt“ wurde.

Viele Wüstungen werden nur durch Zufall entdeckt, so wie Stubbach bei Ulmbach. Dort waren die Überreste der Wüstung nicht allzu tief unter der Erdoberfläche verborgen. Meist sind solche Orte von Wald oder Buschwerk überwachsen.
Beim Finden der Wüstungen helfen manchmal auch alte Landkarten, sagte der Referent. Solche waren in seinem Lichtbildvortrag zu sehen. Eine der bekanntesten Wüstungen in der Region ist wohl das Ratzerod zwischen Hohenzell und Neuengronau. Diese wird 1496 als Wüstung bei Bellings genannt.
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Außerdem existiert die Wüstung Auerbach zwischen dem Auerbach und der B40 bei Ahl sowie eine 1453 erwähnte Wüstung Dietrichs, die sich bei Breunings befand. Deren Bewohner brachten sich während des Dreißigjährigen Kriegs auf Burg Brandenstein in Sicherheit. Gerrode, südlich von Jossa, nahe ihrer Mündung in die Sinn, war würzburgisch und gehörte derer von Hutten. Zerstört wurde sie 1483 bei einer Fehde. Honscheissis lag an der Grenze der Gemarkungen Steinau und Ulmbach.

Was die Entstehung und Aufgabe der Siedlungen in der Region angeht, so Geschwindner, sei dies noch weitgehend ungeklärt und man könne ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte noch aktiv mitschreiben. „Man kann nur schützen, was man kennt“, erklärte er am Ende seines kurzweiligen Vortrags.

Fotos: Archäologisches Spessartprojekt

http://www.spessartprojekt.de/?page_id=15333

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