Historische Weinprobe im Remisenkeller

Zum edlen Rebensaft Anekdoten aus früherer Zeit

Historische Weinprobe beschert unterhaltsamen Abend im Remisenkeller

Bei der historischen Weinprobe des Steinauer Geschichtsvereins gaben sich der Mineraloge Johannes Menge (Hans-Joachim Knobeloch) und Johann Heinrich Cassebeer (Thorsten Dietrich) ein Stelldichein, um die Gäste aufs Löblichste zu unterhalten.

Alles an dem Abend im Remisenkeller des Brüder-Grimm-Hauses drehte sich um den Weinanbau in Steinau in der Zeit von 1820 bis heute. Cassebeer, seines Zeichens einst Apotheker in Gelnhausen, erklärte, man habe ihn wie schon vor 200 Jahren als Berater der heutigen Jungwinzer beauftragt, sie beim Weinanbau zu unterstützen. Der Besuch Cassebeers und Menges aus der Vergangenheit sei einem Steinauer Antiquitätenhändler zu verdanken. Der habe den Weinbrüdern Fuchs und Müller, die beide vom Wein berauscht waren, eine Zauberlampe aufgeschwätzt. Und als Fuchs die Lampe wie wild gerieben habe und Müller, vom Wein berauscht, ausrief: „Heute hätten wir selbst Apotheker Cassebeer und Johannes Menge unter den Tisch gesoffen“, mussten die beiden aufgrund des Zaubers erscheinen.

Kurzerhand wurden die beiden dann von den Weinbrüdern als Berater engagiert. Menge hatte 1821 wieder mit dem Weinanbau begonnen und die erste Ernte 1826 wurde von Cassebeer begutachtet. Da hatten es die Weinbrüder der heutigen Zeit besser. Die konnten in diesem Jahr schon nach zweijähriger Arbeit im Weinberg die erste Ernte mit mehr als 500 Litern einfahren. Schon im Jahr 1826 hatte der Apotheker den Weinbauern geschrieben: „Gelegentliche Nebelbildungen im Kinzigtal und wechselnde Temperaturen sind der Zuckerbildung gut dienlich. Die Güte des Steinauer Weines wird ihm einen Namen machen.“

Die Gäste der historischen Weinprobe durften elf Weine kosten. Teilweise waren die Rebsorten dieser Weine, vom Spätburgunder über Regent, Portugieser, Grauburgunder, Silvaner und noch einige andere mehr, die teils trocken, halbtrocken oder mild waren, schon 1821 in Steinau angebaut worden. Zum Wein wurden Käse und Brezeln gereicht. Schließlich musste eine gute Grundlage für die edlen Traubensäfte gelegt werden.

Menge, der die Gäste meist mit Anekdoten unterhielt, und Apotheker Cassebeer, gaben jede Menge Hintergrundinformationen zum Wein. Etwa, welche Tropfen aus welchen Kreuzungen entstanden sind, welche Rebsorten robust, welche anfälliger sind und seltener angebaut werden. Zu diesen gehören der Phönix, dessen Sorte es erst seit 1992 gibt und der Gelbe Muskateller.

Heute wachsen im Katharinengarten am Weinberg auf 1000 Quadratmetern der edle Regent und der fruchtig-weiße Phönix an jeweils 260 Rebstöcken. Auf dessen Ergebnisse kann man gespannt sein, und sicher werden sie bei einer der nächsten historischen Weinproben zu kosten sein.

Ein Artikel der Kinztigtal Nachrichten vom 26.11.2017
VON MARGIT STROTT-HEINRICH

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