Ein vom Wein beseelter Abend

Wenn das Kapitel der Weinbruderschaft ad via regio 1670 Steinau würdevoll mit Roben, Handschuhen, Hüten und Scherpen bekleidet ist, steht Großes bevor. Doch es war nicht nur die feierliche Aufnahme der neuen Weinbrüder und -schwestern, die gefeiert wurde.

In der Steinauer Markthalle erhielten die aktiven Weinbrüder den Erstlingswein „2017er Steinauer Katharinengarten“ und den „1. Steinauer Grappa“.

Die Zeremonie ließ sich auch Landrat Thorsten Stolz nicht entgehen. Er bezeichnete die Wiederbelebung des Weinanbaus als Ausdruck einer traditionsbewussten Steinauer Bürgerschaft. Schon vor 1 000 Jahren sei im Kinzigtal Wein angebaut worden, der in der Blütezeit im Hochmittelalter sogar an den Wiener Kaiserhof geliefert worden sei.

Bürgermeister Malte Jörg Uffeln war sich sicher, dass der Tag der Ausgabe des Erstlingsweins in die Geschichte eingehen werde und zitierte Goethe, der geschrieben hat: „Für Sorgen sorgt das liebe Leben und Sorgenbrecher sind die Reben.“

Weinkönigin zu Gast
Dr. Thorsten Dietrich, Sprecher des Kapitels, hatte nicht damit gerechnet, so schnell zur Verkostung einladen zu können und war besonders stolz, dass sich die amtierende Rheingauer Weinkönigin Tatjana Schmidt die Ehre gab, an der Zeremonie teilzunehmen. Die Weinkönigin bescheinigte dem 2017er Steinauer Katharinengarten, dass er würzig, pikant und fruchtig sei und exotische Früchte seinen Charakter bestimmten. Auch der kirschrote Regent sei trocken und fruchtig. „Die beiden Weine sind edle Tropfen und sogar biodynamisch hergestellt“, betonte Tatjana Schmidt.

Weinberg wiederbeleben
Hans-Joachim Knobeloch blickte auf die junge Geschichte der neuen Abteilung des Geschichtsvereins zurück. „34 Jungwinzer wollten den Weinanbau am Steinauer Weinberg wiederbeleben und pflanzten im April vor drei Jahren 500 Rebstöcke. Es heißt nicht umsonst: Der Weinberg will jeden Tag seinen Herrn sehen“, hob Knobeloch das große Engagement der Weinbrüder und -schwestern hervor, die alle Arbeiten, die der Weinanbau erfordere, ohne Wenn und Aber verrichteten.

Im Frühjahr des vergangenen Jahres sei der Weinanbau um fünf Parzellen mit 100 Reben und Setzlingen eines Weinstocks aus der historischen Tradition des Steinauer Weinanbaus in den Anfängen des 14. Jahrhunderts, um einen besonderen Wein erweitert worden.
Knobeloch erinnerte an zwei alte Weinstöcke, die er und seine Frau zufällig in einem Kirsch- und Birnbaum entdeckt hatten. Er bedankte sich bei Bärbel und Horst Winkler, die seit dem Jahre 2000 auf ihrem Grundstück wieder Wein anbauten.
Von alten Weinstöcken begeistert

Horst Winkler war von der Entdeckung der alten Weinstöcke so begeistert, dass er 100 Reiser der historischen Rebstöcke in Wallhausen veredeln ließ, einen Teil der Setzlinge in seinen Weinberg einpflanzte und in 2015 die erste Ernte dieses historischen Weins einfahren konnte – ein leichter Wein mit nur geringem Zuckergehalt, doch sehr mundend.“ Horst Winkler sei es auch gewesen, der 2016 für den Geschichtsverein weitere 100 Setzlinge des alten Weins vorbereiten ließ, die die Weinbruderschaft 2017 in den vereinseigenen Weingarten einpflanzen konnte.“

Nach diesen Informationen des Geschichtsvereinsvorsitzenden Hans-Joachim Knobeloch war der Weg bereitet für einen geschichtsträchtigen, vom Wein beseelten Abend in der historischen Markthalle.

Ein Artikel vom Bergwinkel Bote

Bilder Uli Med

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